Nachdem hier letztens schon Werbung für Mediamarkt zu sehen war, kommt heute ein Fundstück aus dem Hause Conrad. Im aktuellen Newsletter wirbt Conrad mit einem Komplett-PC im Tastaturformat:
“braucht Ihr Rechner zu viel Platz oder ist Ihr Notebook-Monitor oft zu klein für Ihre Office-Anwendungen? Dann ist der Joy-IT Tastatur-PC genau das Richtige! Schon ab 299,– € erhalten Sie einen Computer, der sich vollständig in der Tastatur versteckt.”
Pfiffig nicht? Während das iPad und andere Table-PCs nur noch aus einem Bildschirm bestehen, wird hier endlich mal ein Computer angeboten, der nur aus der Tastatur besteht!
Das ist natürlich Quatsch, denn alle wichtigen Anschlüssen sind ja vorhanden, Netzteil und Maus werden sogar gleich mitgeliefert und das Ganze hat lediglich das Ziel, “endlich mehr Platz auf und unter dem Schreibtisch” zu schaffen.
Schluss mit verstaubten, schlecht zugänglichen PCs unter dem Schreibtisch! Dieses äußerst kompakte System beansprucht auf dem Schreibtisch nur minimal Platz – Sie können sogar auf der Wohnzimmercouch arbeiten.
Die mitgelieferte Maus wird übrigens mit einem USB Kabel verbunden. Ebenso fehlt ein Akku, also ist das Netzteil Pflicht. Lautsprecher fehlen auch, wer Ton haben will muss also externe Lautsprecher anschließen. Zumindest für die Installation des Betriebssystems ist ein externes USB-Laufwerk notwendig, der Bildschirm wird über ein weiteres Kabel angeschlossen. WLan ist zwar vorhanden (wer das nicht nutzt, kann aber auch ein Netzwerkkabel anschließen), dafür kommen eventuell noch weitere Kabel für den Drucker, ein externes DVD-Laufwerk, der Webcam, einen Scanner oder andere Peripherie-Geräte hinzu.
Und jetzt stelle ich mir jemanden vor, der mit all diesen Geräten auf seiner Wohnzimmercouch sitzt (USB-Verlängerungen gibt es ja zum Glück bei Conrad) und sich immer dann, wenn er einen Blasendruck verspürt, durch einen Wust an Kabeln kämpfen muss. Man müsste schon Houdini sein, um es jedesmal rechtzeitig aufs Klo zu schaffen…
Die Idee, Rechner und Tastatur zu verbinden, ist übrigens schon fast so alt wie die Geschichte der Heimcomputer selbst. Bereits Mitte der 1980er Jahre brachten Computerhersteller wie Commodore und Atari eine Reihe von solchen Kompaktgeräten auf den Markt, mit denen erstmalig vor allem private Haushalte erreicht werden sollten.

Der erste ALDI-Computer: Commodore 16 im Brotkasten-Design für 149 DM (Quelle: Wikipedia, cc von Cbmeeks)
Erkennen Sie die Ähnlichkeit?
Es scheint, als ob die Produkt-Designer die letzten 25 Jahre einfach verschlafen haben – oder sie haben solange gebraucht, um von ihrer Wohnzimmercouch aufzustehen…
Möchte man unbedingt einen Kompakt-PC, so scheinen mir die Modelle sinnvoller zu sein, bei denen die Technik im Bildschirm integriert ist (wie z.B. hier). Mit einer Funk-Tastatur/Maus ist man dann zumindest wesentlich mobiler als mit dem angepriesenen Tastatur-PC.
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Nachtrag vom 18. Nov. 2011
Conrad sucht nun Produkttester für den hier vorgestellten Joy-IT Tastatur-PC.
Mal sehen, ob die mich dafür nehmen…


Wenn ich dann noch einwerfen darf dass an meiner Tastatur exakt 1 (ein) Kabel dran ist und ich die Tastatur somit auf dem Schreibtisch ganz einfach rumschieben kann ohne einen Kabelverhau mit bewegen zu müssen…Manche blöde Idee wird halt durch Aufwärmen auch nicht besser.
Mitte der 80er wäre 1985. Da sind sie ein paar Jahre übers Ziel hinausgeschossen. Und wenn man schon den “Brotkasten” nach vorne schiebt, wäre es der Commodore VC20 (1981), dann der C64 (1982) und dann erst der C16 (1984).
Hier mal ein paar Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/VC20
http://de.wikipedia.org/wiki/C64
http://de.wikipedia.org/wiki/Commodore_16
Ich verstehe nicht ganz, was daran das so bemerkenswerte ist, dass man einen langen Verrissartikel dazu schreiben muss. Der Satz “Sie können sogar auf der Wohnzimmercouch arbeiten.” ist natürlich totaler unsinn, aber ansonsten ist es ein toller PC, der in Schreibtischnähe sehr wenig Platz einnimmt und sich ideal zum surfen oder als Thin Client eignet. Dass der sich nicht für alle denkbaren Einsatzzwecke eignet ist ja klar, ein iPad ist auch schlecht als Golfschläger (Bildbearbeiter, Workstation, …)
Die Tastatur hat vermutlich genau das gleiche Problem wie Notebooks und diese Monitor-PCs: man kann sie nicht/nur schwer aufrüsten und wenn ein Teil kaputt ist, schmeißt man alles weg. Fazit: Braucht man eh nicht.
“Mit einer Funk-Tastatur/Maus ist man dann zumindest wesentlich mobiler als mit dem angepriesenen Tastatur-PC.”
Es geht nicht darum mobiler zu sein, es geht darum keinen Tower mehr zu haben der Platz wegnimmt der vielleicht nicht vorhanden ist. Problem wird nur sein wenn die Tastatur defekt ist, schließe ich dann eine externe Tastatur an ?
Ist aber an sich keine neue Idee. Die Idee gabs schon davor, die Asuss EeeBox oder von MSI (http://www.zdnet.de/news/39199956/msi-stellt-nettop-box-zum-anbringen-an-tfts-vor.htm). Immer schlecht sowas zu reparieren/upzugraden.
@ Aquu
Ich hatte tatsächlich schon einmal ein Notebook, bei dem zum Schluss sowohl der Bildschirm als auch entweder die Tastatur oder das Touchpad nicht mehr funktionierte. Ich habe dann u.a. einen 17 Zoll Röhrenmonitor angeschlossen und damit noch ein paar Wochen weiterarbeiten können. Mit der Mobilität war es natürlich vorbei, denn der Monitor (der bei dem obigen Tastatur-PC natürlich auch noch fehlt) war sprichwörtlich “untragbar”.