Einen schönen ersten Advent…

Und während ich noch das erste Kerzlein anzünde, kommen mir schon wieder Zweifel, ob ich Ihnen mit meinem frommen Wunsch nicht vielleicht ein wenig zu Nahe getreten bin. Vielleicht sind Sie ja Moslem, Jude, Atheist oder Agnostiker und feiern gar nicht Weihnachten. Und wer nicht Weihnachten feiert, der muss sich auch nicht auf Jesus Geburtstag vorbereiten, feiert folglich auch keinen Advent und bekommt somit auch keine Geschenke.

Oder vielleicht doch? Möglich wäre es, denn immerhin wird der Weihnachtsmann nicht von den Kirchen bezahlt sondern von Coca Cola.

Man muss die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes nicht gut finden, aber sie hat es zumindest geschafft, Weihnachten soweit zu verweltlichen, dass auch Nicht-Christen sich von der Weihnachtsstimmung mitreißen lassen können, ohne dabei in all zu große Glaubens- und Gewissenskrisen zu geraten. Erreicht wird dieses, durch die Verwendung weihnachtlicher Symbole, die soweit von ihren christlichen Wurzeln entfernt und entfremdet sind, dass sie keinen unmittelbaren Bezug mehr zu Jesus, Maria und Josef aufweisen.

Lichterketten, Tannenbäume, Geschenkeboxen, Rentierschlitten, Glitzerkugeln, Spekulatien, Zuckerstangen, Schneemänner, Weihnachtselche, Kobolde, Sternenhimmel, Nussknacker, Lebkuchenhäuschen, Adventskerzen, Weihnachtsplätzchen, Lametta und – nicht zu vergessen – Weihnachtslieder wie Jingle Bells, Kling Glöckchen, Oh Tannenbaum, Rudolph the red-nosed Reindeer oder Last Christmas, die auch ganz gut ohne religiöse Bezüge auskommen.

Logo Weihnachtsmannfreie Zone

Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone". Quelle: Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken.

Personifiziert wird diese spirituelle Emanzipation durch die Figur des Weihnachtsmanns als weltliches Pendant zum St. Nikolaus oder dem Christkind – Sehr zum Ärger der christlichen Kirchen, die ja immerhin so etwas wie ein Urheberrecht auf Weihnachten haben. Deswegen errichtet das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken auch in diesem Jahr wieder jede Menge weihnachtsmannfreie Zonen in ganz Deutschland – sowie im Internet (lesenswert zu den Hintergründen ist auch das Interview mit dem Nikolaus).

Die Aktion preist den St. Nikolaus als authentische, historische Figur an, besinnt sich auf christliche Traditionen und Werte und richtet sich dabei v.a. gegen den Kommerz rund um den Weihnachtsmann. Deswegen gibt es auf der Aktionswebseite auch die Möglichkeit, Schokoladen-Nikoläuse entweder direkt beim Bonifatiuswerk zu bestellen, oder dort weitere Bezugsquellen der bischöflichen Schokoladenfiguren zu finden.

Weihnachtsmann und Nikolaus als Schokoladenfigur der Firma Friedel. Quelle: Wikipedia cc Richard Huber.

Das Bestreben, den Schokoladen-Weihnachtsmann durch den Schoko-Nikolaus zu ersetzen, wirkt ein wenig befremdlich, nicht nur weil wir zu Beginn der jetzigen UN-Dekade in Bezug auf Artenschutz und Arterhaltung sensibilisiert sind, sondern vor allem auch, weil die Kirchen die Idee, Schokoladenfiguren von Jesus herzustellen, selbst als geschmacklos und kitschig bezeichneten.

Den damit einhergehenden Vorwurf der Blasphemie weist der Hersteller des Goldjesus allerdings zurück und schwärmt auf seiner Webseite: “Jesus in aller Munde – das wäre doch prima!”.

Scheinbar sehen das die Kirchen anders, wohl auch, weil für sie die Eucharistie ein heiliges Sakrament und der liturgischer Höhepunkt des Gottesdienstes darstellt, bei dem Jesus (“Das ist mein Leib [...] mein Blut“) in Form von Brot und Wein ebenfalls zum Verzehr angeboten wird. Das Gedenken an Jesus (“Tut dies zu meinem Gedächtnis“) und seinen Tod am Kreuz passt also nicht zu dem sinnliche Vergnügen, zartschmelzende Schokolade genüsslich im Mund zergehen zu lassen.

Dabei hätte der Schoko-Jesus durchaus Potential. Wenn nämlich alle Weihnachtsmänner durch Nikoläuse ersetzt werden sollen, dann ist es vielleicht auch an der Zeit, sich Gedanken über den Osterhasen machen. Der ist ja mittlerweile ebenfalls recht kommerziell geworden ist und hat mit der Auferstehung Jesus eigentlich kaum noch etwas zu tun. Zwar ist ein Aktionsbündnis für Osterhasenfreie Zonen noch nicht in Sicht, der Schoko-Jesus könnte hier aber eine wirklich Alternative sein, sofern die Kirchen doch noch ihre Position ändern.

Wer sich über solche Dinge keine Gedanken machen möchte, kann natürlich essen was er will – Hauptsache es ist aus Schokolade und schmeckt. Eine Ausnahme bilden hier vielleicht die orthodoxen Christen: die fasten nämlich bis Weihnachten und bis dahin ist es dann auch egal, ob man keinen Schoko-Weihnachtsmann oder keinen Schoko-Nikolaus isst.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen ersten Advent.

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2 Responses to Einen schönen ersten Advent…

  1. welle says:

    Danke für deine Gedanken. Habe herzhaft gelacht ; ).

  2. Big Al says:

    -kicher-
    Jesus in aller Munde.
    Nicht schlecht.

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