Erdogan ./. Böhmermann

Es ist nicht etwa so, dass noch nicht ausreichend über Böhmermanns Schmähkritik geschrieben oder gesungen wurde. Eigentlich sollte man meinen, die Berichterstattung habe einen gewissen Sättigungsgrad in den Medien erreicht. Das Ding ist gelaufen. Es gibt ja auch noch weitere Themen…

Eigentlich.

Denn in regelmäßigen Abständen schwappt der Fall wieder in die Öffentlichkeit – und zwar nicht nur in Blogs und auf Facebook – sondern prominent in den Nachrichten des ersten Deutschen Fernsehens. Eine Auswahl bei tagesschau.de:

Jede dieser Meldungen generiert natürlich weitere Berichte, Kommentare, Interviews und so weiter. Das ist insofern spannend, als dass alle genannten Meldungen letztendlich auf die Initiative von Erdogan selbst zurückzuführen sind.

Nun kann man hieraus – durchaus nachvollziehbar – ein Gerechtigkeitsdilemma ableiten, bei dem eine juristische Durchsetzung von Persönlichkeitsrechten gar nicht möglich ist, ohne dass in der Öffentlichkeit eine weitere Verletzung dieser Rechte erfolgt. Selbst das Landesgericht Hamburg hatte im Anhang seiner Urteilsbegründung den Wortlaut des Gedichts abgedruckt und somit zur Verbreitung von Böhmermanns Schmähkritik beigetragen. Ein Schelm, wer Absicht unterstellt….

Anderseits offenbart sich im Umgang mit den ehrverletzenden Unterstellungen Böhmermanns, wie Erdogan mit ungewünschten Medienbeiträgen umgeht und welches Verständnis er von Meinungsfreiheit, Kritik, Satire und Kunst im Verhältnis zur Politik und insbesondere zu seiner Person hat. Böhmermann hat es geschafft, das, was in der Türkei alltäglich mit kritischen Medienakteuren passiert, ein Stück weit nach Deutschland zu holen und es so für uns transparent zu machen.

Dafür brauchte er nicht mehr, als einen Affront, welcher so dermaßen provokant war, dass er unmöglich ignoriert werden konnte. Das Gedicht war hier nur Mittel zum Zweck. Es entzieht sich somit auch einer moralischen Bewertung, weil es selbstverständlich beleidigend ist und auch beleidigend sein musste, um die nachfolgenden Ereignisse auslösen zu können. Er selbst hatte es ja bereits als Schmähkritik angekündigt.

Das Missverständnis liegt nun darin, dass die Satire Böhmermanns nicht in dem Gedicht zu finden ist, sondern darin, dass er die nachfolgenden Reaktionen auf das Gedicht bereits bei dessen Verlesung vorhergesagt hat, also noch bevor diese schließlich Wirklichkeit wurden:

Böhmermann: [...] Da können Sie nicht einfach sagen, die Bundesregierung soll die Satire zurückziehen oder das muss irgendwie gelöscht werden aus dem Internet. [...]
Kabelka
: Unter Umständen nimmt man uns aus der Mediathek! [...]
Böhmermann: Also, wenn die Türkei oder ihr Präsident da was dagegen hätte, müsste er sich erst mal ‘nen Anwalt suchen. [...]
Böhmermann: und dann geht man erst mal vor ein Amtsgericht. Einstweilige Verfügung, Unterlassungserklärung. Dann wird wahrscheinlich die Sendung, die das gemacht hat oder der Sender wird dann sagen: Nö, das sehen wir anders, und dann geht man die Instanzen hoch, und irgendwann in drei, vier Jahren … Wichtig ist: Sie müssen dafür sorgen, dass es nicht im Internet landet. [...]

Möglich wurden diese Vorhersagen, weil Böhmermann eine Grundstruktur im Handeln des Präsidenten, aber auch der deutschen Akteure, wie z.B. der Bundeskanzlerin, dem öffentlich rechtlichen Fernsehen, den Medien im allgemeinen, sowie den Medienanwälten und Gerichten erkannt hat, welche zwangsweise die nachfolgenden Ereignisse bedingt haben. Mit seiner Sendung – und darin liegt die eigentliche Glanzleistung Böhmermanns – hat er diese Strukturen offen gelegt und für jeden sichtbar gemacht.

Und es funktioniert.

Mit jedem weiteren Versuch von Seiten Erdogans, das Gedicht zu unterbinden, werden diese Vorhersagen zur Realsatire und demaskieren Erdgans Politik- und Rechtsverständnis. Böhmermann musste nichts weiter tun, als den Stein ins Rollen zu bringen und abzuwarten. Und das hat er gemacht, hat sich zu Beginn sehr bedeckt gehalten, sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um sein soziologisches Experiment nicht zu beeinflussen und blieb weitgehend in der Beobachterposition. Das Experiment kann als voller Erfolg in dem Sinne gewertet werden, als dass die zu Beginn aufgestellten Thesen bisher voll und ganz bestätigt werden konnten.

Dass die Beziehung zur Türkei hierbei gelitten hat, ist wahrscheinlich nicht nur ein zufälliger Kollateralschaden sondern vielmehr ein Akt des zivilen Ungehorsams, mit dem der Flüchtlingsdeal mit der Türkei unterbunden und die moralische Integrität Deutschlands und der EU bei der Umsetzung von Menschenrechten angeprangert werden sollte.

Böhmermann hat erkannt, dass in dem zunehmend ausländerfeindlichen Klima, welches nach der Silvesternacht in Köln mehr und mehr von Deutschland Besitz ergriffen hatte, eine moralische Diskussion über die Menschenrechte von Flüchtlingen aus Syrien und anderswo oder auch von Menschen in der Türkei in diesem Deutschland nicht mehr möglich war, wohl aber eine Diskussion, ob der türkische Präsident von einem deutschen Satiriker als “Ziegenficker mit Schrumpelklöten” bezeichnet werden darf oder nicht. 

Böhmermann selbst hebt zum Schluss der besagten Sendung hervor:

Ich fand’s auch echt schön als Bürger der Bundesrepublik Deutschland, dass in dieser Woche so ein großer Konsens auf einmal herrschte nach Monaten des Streites, die Leute gegeneinander, die Gesellschaft gespalten, und in dieser Woche haben wir Deutschen endlich mal wieder mit einer Stimme gesprochen, wenn es gegen Despoten geht, die die Meinungsfreiheit auslegen, wie man nur Meinungsfreiheit auslegt wenn man Despot oder Diktator ist. Erdogan oder auch in Europa gibt es Victor Orban, Beata Szydlo von der PIS-Partei, die Ministerpräsidentin von unserem tollen Nachbarland Polen, Marine Le Pen vom Front National, Pim Fortuyn aus Holland, HC Strache von der FPÖ. Auch so autoritäre Nationalisten, Frauke Petry natürlich. Alles Leute, wo man sich gewünscht hat, es müssten mehr Leute aufstehen. Wladimir Putin, Donald Trump könnte der nächste amerikanische Präsident werden. Ich finde es ganz toll, dass wir diesen Menschen selbstbewusst entgegengetreten sind.

Das, so muss man anerkennend sagen, ist ihm mit seinem Gedicht durchaus gelungen.

Wir machen Druck!

Wir machen Druck ist eine sehr günstige Online-Druckerei, allerdings mit einem etwas seltsamen Selbstverständnis, wie sich an meinem letzten Auftrag zeigt. Das bestellte Plakat sollte – entsprechend der Lieferangaben während des Bestellungvorgangs – eigentlich am 24. Mai bei mir eintreffen. Auf Grund von Vorerfahrung habe ich sicherheitshalber darauf hingewiesen, dass ich dieses spätestens am 25.5. um 12:00 Uhr benötige. Eigentlich ein klarer Fall, sollte man meinen. Aber lesen Sie selbst:

Guten Tag S.W.,
vielen Dank für ihren Auftrag.
Um Ihre Ware garantiert am 25.05. bis 12 Uhr zustellen zu können müssen wir im Express versenden. Der Expressversand würde 9,52 € inkl. MwSt. kosten.
Bitte teilen Sie uns mit ob Sie diese Kosten übernehmen.
Vielen Dank vorab.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Bei dem Standardversand war die Zustellung bis Dienstag, den 24.5.2016 angegeben. Warum kostet es nun mehr, wenn Sie einen Tag länger brauchen?
Mit besten Grüßen

Guten Tag S. W.,
vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
Der Liefertermin hat sich auf den 25.05. verschoben. Da dies ein Standard Auftrag ist ist der Liefertermin nicht garantiert. Auf Grund Ihres Hinweises haben wir Ihnen einen Expressversand angeboten. Bitte teilen Sie uns mit wie wir mit Ihrem Auftrag verfahren dürfen.
Vielen Dank vorab.

Sehr geehrter Herr S.,
leider haben wir kein Budget dafür, dass sich bei Ihnen der Liefertermin verschoben hat. Bitte teilen Sie mir mit, wie Sie weiter mit unserem Auftrag verfahren werden.
Mit besten Grüßen

Guten Tag W.,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Der voraussichtliche Liefertermin für Ihre Bestellung ist der 25.05.16.
Sobald eine Sendungsnummer zur Verfügung steht, sehen Sie diese online auf [Webseite] in Ihren Auftragsdetails
Für weitere Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich unter: [eMail-Adresse] oder telefonisch unter: [Telefonnummer] von Mo. – Fr. zwischen 07:00 – 18:00 Uhr gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

Bin mal gespannt, ob es rechtzeitig ankommt…

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P.S.: Ja, ist es ;-)

Ein Euro Fünfzig!

…musste ich heute als Mahngebühr bezahlen, weil ich ein Buch verspätet zurückgegeben haben.

Sowas kommt vor: Normalerweise verlängert sich die Leihfrist automatisch, es sei denn das entsprechende Medium ist vorgemerkt. Dann muss das Buch zurück und die (kostenpflichtige) Leihfristüberschreitung bleibt die einzige Möglichkeit, für den Fall, dass ich das Buch doch noch ein paar Tage länger benötige.

So war es auch in diesem Fall. Ich brauchte das Buch für die Vorbereitung eines meiner Seminare, danach sollte es in meinen Semesterapparat, damit auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Lehrveranstaltung hierauf zugreifen können.

Dumm nur, dass ich den Titel des Buches bei der Zusammenstellung des Semesterapparates mit angegeben hatte. So erfolgte die Vormerkung von Seiten der Bibliothekarin auf meine eigene Anweisung hin, was mich letztendlich die besagten einsfünfzig gekostet hat.

Natürlich hätte ich das noch mit den Damen an der Ausleihtheke diskutieren können. Hierauf habe ich aber – ebenso wie auf das Geld – letztendlich verzichtet. Die Universitätsbibliothek wird das Geld sicherlich brauchen können und vielleicht zählt das ja schon als gute Tat für heute…

Schlusslicht

Heute gab es auf tageschau.de Artikel mit folgenden Überschriften:

So tolle Überschriften kann tagesschau.de! Obwohl…
Zugegeben – so richtig kreativ ist es nicht, drei mal dasselbe Schema zu verwenden, welches ohnehin morgens von der Bildzeitung inspiriert worden zu sein scheint. Das ging doch schon mal besser. Soll heißen: wo ist eigentlich der Praktikant mit den schönen Alliterationen?

Oder derjenige, der selbst Wirtschaftsnachrichten noch zu einem Gedicht werden lässt:

Und dann gibt es scheinbar noch den Kasper, dem der Ulk so tief im Nacken sitzt, dass er gar nicht anders kann, als die Berichterstattung über das G36 mit folgender Überschrift zu versehen:

Da lohnt sich doch gleich das Geld für die Tagesschau-App.

Nachrichten, die die Welt erschüttern

Der Absturz der Germanwings Maschine 4U9525 ist eine Tragödie. Betroffen hiervon sind nicht nur die Angehörigen der Opfer, sondern dank der medialen Aufmerksamkeit im Prinzip alle, die durch Presse, Fernsehen, Radio und Internet erreicht werden.

Dabei gibt es kaum eine Möglichkeit, diesem Medienzirkus zu entfliehen. Jede Nichtigkeit, Spekulation, Meinung, Information und Desinformation wird verwertet und ausgeschlachtet (für eine Übersicht siehe Bildblog.de), wobei das Missverhältnis von veröffentlichten Meldungen und deren tatsächlicher Informationsgehalt dabei allzu offensichtlich ist. Dieses Phänomen betrifft besonders die Boulevard-Presse, ist aber andererseits nicht auf diese begrenzt. 

Auch tagesschau.de hatte zeitweise bis zu 9 Meldungen zum Flugzeugabsturz in den Top-Positionen auf ihrer Startseite und ließ hierdurch die nachfolgenden Ereignisse unbedeutend und klein wirken. Ganz oben mit dabei: der Link zum Liveticker, der die Rekonstruktion des Absturzes zu einem Event aufputscht, während das eigentliche Ereignis längst vorüber ist. Hier wird die Selbstreferenzialität der Medien überdeutlich, deren wichtigstes Ziel die Aufrechterhaltung der eigenen Berichterstattung ist.

Während einerseits heftige Kritik an Medien geübt wird, sich mit dem Ausschlachten von Unglücken und Katastrophen wie diesen Flugzeugabsturz zu bereichern, gibt es andererseits scheinbar eine nicht unerhebliche Nachfrage nach einer solchen minutiösen Berichterstattung, selbst wenn sie auf offensichtlichen Belanglosigkeiten basiert. Der Grund hierfür ist, dass der Absturz einer deutschen Maschine mit einem deutschen Zielflughafen und deutscher Crew und deutschen Passagieren dazu geeignet ist, unser Weltbild – zumindest was die Sicherheit von Flugreisen von und nach Deutschland angeht – nachhaltig zu erschüttern.

Normalerweise leben die meisten von uns nach der Vorstellung, dass das, was heute gilt, auch morgen noch Gültigkeit hat. Jeder Tag, an dem nichts unvorhersehbares passiert, bekräftigt diese Erfahrung und festigt sie und macht uns dadurch handlungsfähig und gibt und die Zuversicht, um einen Schulabschluss anzustreben, ein Haus zu kaufen oder eine Partnerschaft einzugehen: kurzum, um Pläne für die Zukunft zu machen.

Das Vertrauen in die Zukunft wird aber immer dann in Frage gestellt, wenn ein Ereignis, welches wir vorher nicht für möglich oder zumindest für sehr unwahrscheinlich gehalten haben, unser Sicherheitsgefühl tiefgreifend verletzt. Beispiele gibt es leider genug: Neben dem Absturz der Germanwings Maschine 4U9525 sind dieses u.a. der Terroranschlag auf Charlie Hebdo, die Nuklearkatastrophe von Fukushima oder auch der Unfalltod von Lady Di.

Solche Perturbationen machen uns deshalb so fassungslos, weil wir sie nicht mit unsere bisherigen Vorstellung in Einklang bringen können. Wir sind aber andererseits auch nicht bereit, auf unsere Grundvorstellung (“Wir sind hier in Sicherheit“) zu verzichten, weil die Abkehr von dieser Grundvorstellung für unser Selbst- und Weltbild existenzgefährdend wäre.

Wir suchen also einerseits nach Erklärungen, um diese Fassungslosigkeit überwinden zu können. Wir wollen verstehen, was da passiert ist, denn dass gibt uns die Möglichkeit, das Problem auf der kognitiven Ebene zu bearbeiten. Kausalitäten helfen hierbei, um im günstigsten Fall nur noch minimale Anpassungen unserer Gedankenwelt an das einschneidende Ereignis vornehmen zu müssen (“Fliegen ist bei uns sicher, es sei denn, der unwahrscheinliche Fall trifft zu, dass (1) der Co-Pilot alleine im Cockpit ist, (2) dem Piloten die Rückkehr in das Cockpit verwehrt bleibt und (3) der Co-Pilot das Flugzeug willentlich gegen einen Berg steuert“).

Wir suchen also nach solchen Kausalitäten und solange es noch keine verlässlichen Informationen vorliegen, helfen selbst die wildesten Spekulationen, um den Übergang von unserem alten, aber nicht mehr passenden Weltbild hin zu einem neuen, viablen Weltbild zu überbrücken. Ein solcher Übergang stellt stets eine sensible bis kritische Phase dar, womit wir zu einer zweiten wesentlichen Funktion der Sensationsberichterstattung kommen: Wir wollen bei diesem Prozess nicht alleine sein!

Liveticker und eine minutiöse Berichterstattung können diesem Gefühl entgegenwirken, denn sie zeigen, das sich dort vor Ort jemand in Echtzeit bemüht, Antworten auf offene Fragen zu finden –  selbst wenn es zu einem so frühen Zeitpunkt noch keine verlässlichen Antworten geben kann. So können Stellungsnahmen von (vermeintlichen) Experten selbst dann hilfreich sein, wenn sie inhaltlich eigentlich nichts zu dem aktuellen Fall beitragen können. Vielleicht mag es auf einer emotionalen Ebene sogar erleichternd sein, dass selbst Experten ratlos, der Konzernchef fassungslos und Jogi Löw ebenso betroffen ist, wie man selbst.

Das Bedürfnis nach Geborgenheit sucht nach der Gemeinschaft mit anderen, die Gleiches fühlen, um von ihnen die Bestätigung zu erhalten, dass das ins wanken geratene Weltbild immer noch einen realen Bezugsrahmen aufweist. Deutlich wurde dieses bei dem Bekenntnis “Je suis Charlie”, welches nach dem Terroranschlag auf die Französische Satirezeitschrift von Millionen Menschen geteilt wurde. 

Das Dilemma der Katastrophenberichterstattung liegt nun darin, dass auf der einen Seite das mediale Ausschlachten solcher Unglücke abstoßend und pietätlos erscheint, auf der anderen Seite aber eine sachliche und abwartende Berichterstattung bei vielen Rezipienten eine Bedarfslücke entstehen lässt.

Die Lösung liegt m.E. zunächst in der Trennung der Angebote mit Nachrichtenwert (Inhaltlicher Fokus) von denen, die die Mediennutzern bei ihrem kognitiven Anpassungsprozess begleiten wollen (emotionaler/sozialer Fokus). Bei letzterem gilt es dann in einem zweiten Schritt, sich von dem klassischen Sender-Empfängermodell zu distanzieren, um entsprechend der Möglichkeiten des Internets einen Dialog mit den Nutzern zu initiieren, in dem (entsprechend der Nutzeranfragen) auch Platz für unbestätigte oder nicht nachrichtenrelevante Informationen sein kann.

Neues aus Rostock

Die Philosophische Fakultät hat offensichtlich im Streit um den Ehrendoktortitel für Snowden Klage eingereicht und richtet sich damit gegen den Rektor der Universität und den Kultusminister von MV, die beide das Verfahren zunächst gestoppt hatten.
Es bleibt also spannend…

Multi-Screen

Wo kommt eigentlich das X her?

Wenn Sie dieses Fenster (nachdem Sie alle vorherigen Artikel gelesen haben) auf Ihrem Rechner schließen, dann tun Sie dieses wahrscheinlich, indem Sie auf ein X klicken. Soweit so unspektakulär. Aber woher kommt dieses X eigentlich und warum kein Q (Quit), C (Close) oder E (Exist/Escape)?

Lauren Archer ist dieser Frage nachgegangen und gibt so einen Einblick/Rückblick in die Geschichte der Computersoftware. Hier der lesenswerte Link zum Blogartikel X to Close (engl.)

Aus einer Hausarbeit…

In Bezug auf das Thema Sprachproblematik bei Kindern mit Migrationshintergrund wäre es wichtig, diese Gedächtnishemmungen im Hinterkopf zu behalten, […]

Wenn Kinder (fast) wunschlos glücklich sind…

“Das Sams im Glück” auf DVD gesehen:

Und was würdet ihr euch wünschen, wenn ihr ein Sams mit ganz vielen Punkten hättet?

Ich brauche nur einen Punkt.

Das ist ja super. Und was würdest du dir für diesen Punkt wünschen?

Dass alle Menschen meine Diener wären…

Bild scheißt auf meine Meinung!

Hatten Sie am 6. Juni auch eine Gratis-Bild zur WM im Briefkasten? Und? – Haben Sie sich darüber gefreut?

Ich nicht. Ich wollte nämlich keine Bildzeitung. Nicht mal geschenkt. Am 6. Juni nicht und auch sonst nicht!

Dieses hatte ich der Bildzeitung auch im Vorfeld mitgeteilt und zwar am Mittwoch den 28.5.2014 um 19:06 Uhr nachdem ich über bildblog von der Aktion erfahren hatte. Hierfür hatte die Bild-Zeitung extra eine eMail-Adresse (keinebildzurwm@bild.de) eingerichtet. Nachdem ich zunächst eine automatisierte Eingangsbestätigung meines Widerspruchs erhalten hatte, antwortete Bild mir am Samstag den 31.5.2013 um 12:37 Uhr:

vielen Dank für Ihre Nachricht. Leider haben Sie Ihren Widerspruch so spät versandt, dass er von unseren logistischen Prozessen, die einen organisatorischen Vorlauf erfordern, nicht mehr erfasst werden konnte.

Also: Bild braucht zweieinhalb Tage um mir auf eine Mail zu antworten, die Berücksichtigung von Nichtzustellungsverboten ist trotz Vorlaufzeit von mehr als einer Woche aus logistischen und/oder organisatorischen Gründen nicht möglich und dieses ist natürlich meine Schuld, insbesondere weil ich ja keine Bildzeitung möchte.

Warum die Bildzeitung überhaupt auf die Idee kommt, dass ich eine Gratis-Zeitung von denen möchte, ist mir selbst schleierhaft, jedenfalls war ich scheinbar logistisch fest eingeplant und dass ich dann so spontan doch keine Bildzeitung haben wollte, das hat die Mitarbeiter dann doch sehr überrascht. Da sind die scheinbar nicht so flexibel (keine Ahnung wie die es sonst schaffen, täglich 2,5 Millionen Exemplare tagesaktueller (?) Meldungen an den richtigen Mann oder auch Frau zu bringen).

Vielleicht lag es ja an Christi Himmelfahrt – besser bekannt als Vater- oder Männertag – dass meine Mail erst am Samstag (also, als man dann halbwegs wieder nüchtern war) beantwortet werden konnte. Und dann war erstmal Wochenende, da läuft ja mal gar nichts – u.a. eben auch keine Antwort auf meine zweite Mail, dass ich trotzdem keine Bildzeitung bekommen möchte. Schließlich sei ich ja für innerbetriebliche Abläufe organisatorischer oder logistischer Art bei der Bildzeitung nicht verantwortlich.

Am Montag kam dann aber tatsächlich eine Antwort mit dem Verweis, dass ich die Zustellung der Zeitung verhindern könne, wenn ein Aufkleber am Briefkasten angebracht sei, dass keine (Bild-)Zeitung eingeworfen werden soll (“Keine Werbung”-Hinweise reichen nicht aus, “da es sich bei dieser Sonderausgabe der BILD um ein Zeitungsprodukt handelt”).

So einen Aufkleber wollte ich aber gerade nicht an meinen Briefkasten, deshalb hatte ich ja – wir erinnern uns – per Mail der Zustellung widersprochen. Viel gebracht hat es letztendlich nicht, damit bin ich aber keinesfalls der einzige. Es zeigt aber im kleinen wie Bild funktioniert: Bild ist so überzeugt von sich, dass auf die Rechte des einzelnen keine Rücksicht genommen werden.

Zum Glück ging es bei mir nur im eine Zeitung im Briefkasten und nicht darum, meinen Briefkasten (samt Namen) in der Bildzeitung zu sehen. Ärgerlich ist es trotzdem.

Die “Spinner” von der NPD?

Das Bundesverfassungsgericht hat heute eine Klage der NPD abgewiesen, die sich gegen eine Bemerkung von Gauck richtete. In Bezug auf ausländerfeindliche Proteste gegen ein Asylantenwohnheim hatte der Bundespräsident gesagt: “Wir brauchen Bürger, die auf die Straßen gehen und den Spinnern ihre Grenzen aufweisen.” Die NPD fühlte sich angesprochen und fand das – insbesondere kurz vor den Wahlen – diffamierend, weswegen sie Klage eingereicht hatte.

So ganz erfolgreich war die Strategie der NPD allerdings nicht: Nicht nur, dass die Klage abgewiesen wurde, d.h. dass das oberste Gericht in Deutschland dem Bundespräsident attestiert, seine Grenzen gerade nicht überschritten zu haben, sondern die NPD hat durch die Klage nun selbst dafür gesorgt, dass ihr Name in den Medien tausendfach im unmittelbaren Kontext zu der Bezeichnung “Spinner” veröffentlicht wurde (Gesetz der Nähe), so dass bei wiederholtem Lesen solcher Nachrichten der Parteiname von den Lesern unwillkürlich mit diesem Ausdruck assoziiert wird (siehe Assoziatives Lernen). Zum Vergleich: das Wort “Spinner” wurde von Gauck nur einmal verwendet und erfolgte (lediglich) vor ca. 400 Oberstufenschülern.

Andererseits scheint Gauck nicht der einzige und auch nicht der erste gewesen zu sein, der ein solche Wortwahl getroffen hat: Googelt man die beider Begriffe “Gauck” und “Spinner” erhält man knapp 40.000 Treffer bzw. 47.300 Treffer bei der Wortkombination “Bundespräsident” und “Spinner” (Zahl steigend). Gibt man aber stattdessen “NPD” zusammen mit “Spinner” ein, so sind es insgesamt 113.000 Treffer. Und vielleicht werden es nach diesem Urteil ja noch ein paar mehr…

Jetzt isses raus…

Der Fakultätsrat hat getagt und entschieden: Edward Snowden soll Ehrendoktor der Universität Rostock werden. Snowden ist informiert und fühlt sich geehrt, kann aber aus bekannten Gründen nicht zur Verleihung nach Deutschland kommen. Der Rektor der Universität sieht die Verleihung kritisch und könnten noch ein Veto einwerfen, dann müsste Mathias Brodkorb, Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, entscheiden.

Den Beitrag mitsamt Interview mit Dekan Prof. von Wensierski gibt es beim NDR.

Nachtrag:
…und wieder zurück. Der Rektor hat tatsächlich sein Veto eingelegt, nun prüft die Fakultät die vorgebrachten Beanstandungen.

Snowden-Links: Obama, Ströbele, Avaaz

Obama im Interview mit Claus Kleber von ZDF heute
Vier von sechs Fragen von Claus Kleber beginnen mit den Worten “Ja, aber…”

Ströbele im Interview mit der Tagesschau über Obamas Rede zur NSA-Affäre
Die Moderatorin Gabi Bauer zeigt sich wesentlich kritischer als Ströbele selbst.

Avaaz sammelt über 750.000 Unterschriften und fordert Asyl für Snowden in Brasilien
Die Petition läuft noch und soll Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff überzeugen.

Ist Whistleblowing eine Wissenschaft?

Ich selbst bin ja jetzt schon überzeugt, Snowden mit einem Ehrendoktor auszuzeichnen. Gemäß der Promotionsordnung erfolgt diese allerdings ausschließlich “in Anerkennung hervorragender wissenschaftlicher Leistungen auf Fachgebieten, die in der Philosophischen Fakultät vertreten sind.”

Informatik zählt allerdings nicht zu den Fachgebieten der Fakultät, zumal Edward Snowden sein Informatikstudium offenbar gar nicht abgeschlossen hat. Worin besteht dann aber die hervorragende wissenschaftliche Leistung Edward Snowdens?

Edward Snowden belegte Kurse am Anne Arundel Community College, machte dort aber scheinbar keinen Abschluss (Quelle: Wikipedia: CC-BY-SA 3.0: Djembayz)

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